Montag, 22. Mai 2017

Buchrezension: Gillian Flynn - Gone Girl - Das perfekte Opfer

Gillian Flynn

Gone Girl - Das perfekte Opfer


Inhalt: 

„Was denkst du gerade, Amy?” Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt?
Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichten, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. Dann erhält er sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy?
Selten wurde so raffiniert, abgründig und brillant manipuliert wie in diesem Psychogramm einer Ehe - ein teuflisch gutes Lesevergnügen. 


Rezension: 

"Gone Girl - Das perfekte Opfer" ist ein Thriller, der polarisiert und sehr kontrovers diskutiert wurde. Selten hat ein Buch so viele gute, aber auch so viele schlechte Bewertungen erhalten. Auch ich muss zugeben, dass ich lange gebraucht habe, um mich in den Roman hineinzufinden, was vor allem daran liegt, dass die handelnden Protagonisten grundlegend unsympathisch dargestellt sind. 

Der Thriller gliedert sich in drei Teile: 1. Junge verliert Mädchen, 2. Junge trifft Mädchen, 3. Junge bekommt Mädchen zurück (oder andersherum). 

Amy Dunne, die durch die Kinderbuchreihe "Amazing Amy" landesweit bekannt geworden ist, wird vermisst. Das Wohnzimmer ist verwüstet und in der Küche findet die Polizei Blutspuren von ihr, die aufgrund des erheblichen Blutverlusts auf ein Verbrechen hindeuten. Eine Leiche wird nicht gefunden, auch gibt es keine Lösegeldforderung, die eine Entführung belege würde. 

Die Polizei verdächtigt ihren Ehemann Nick, Amy getötet zu haben, da alle Indizien gegen ihn sprechen. Am Abend zuvor hatte sich das Paar gestritten, was von Nachbarn bezeugt werden kann. Als dann auch noch bekannt wird, dass Nick eine deutlich jüngere Geliebte hat und ein fast verbranntes Tagebuch von Amy gefunden wird, in welchem sie ihre Angst vor ihrem Ehemann schildert, wird es immer enger für Nick, der beteuert, nichts mit dem Verschwinden seiner Ehefrau zu tun zu haben. 
Ganz im Gegenteil - er versucht die Polizei davon zu überzeugen, dass Amy selbst ihr Verschwinden inszeniert hat, um sein Leben zu zerstören. Für ihn ist aus "Amazing Amy" "Avenging Amy" geworden. 

Und dann steht Amy vier Wochen nach ihrem Verschwinden wieder vor ihrem Zuhause...

"Gone Girl" ist ein Psychothriller, bei dem der Leser zunächst von einem Mord an einer Frau ausgeht, der vermeintlich von ihrem Ehemann verübt wurde. Bald zeichnet sich allerdings ab, dass das Vorbild aus den Kinderbüchern "Amazing Amy" zu perfekt ist und das Leben des Ehepaars eine reine Fassade ist. 
Statt mit einem unberechenbaren Ehemann, der seine Frau auf dem Gewissen hat, hat man es mit einer Frau zu tun, die seit Monaten einen stillschweigenden Rosenkrieg gegen ihren betrügerischen Ehemann führt. 

Durch Rückblenden und Tagebucheinträge aus Erinnerungen erhält der Leser ein ganz anderes Bild der Ehe als das Paar vorgegeben hat zu sein. 
Wer letztendlich "der Böse" ist, lässt sich nicht festmachen. Warum die beiden (noch) verheiratet sind, ist wohl  nur auf ihre selbstzerstörerischen Charaktere zurückzuführen. 

Während ich zu Beginn lange gebraucht habe, um mich in den Roman hineinzufinden, konnte mich die Handlung nach und nach aufgrund der unheimlichen Bösartigkeit der Protagonisten doch noch packen. Spannend ist bis zum Schluss - gerade nach dem ominösen Auftauchen von Amy - wie der Thriller ausgehen mag. 

Auch wenn das Ende dann unbefriedigend ist, passt es in den Gesamtzusammenhang, denn irgendwie haben es Nick und Amy genauso verdient. 


Samstag, 20. Mai 2017

Buchrezension: Fioly Bocca - Das Glück der fast perfekten Tage

Fioly Bocca
Das Glück der fast perfekten Tage


Inhalt:

Seit ihre Mutter an einem Tumor erkrankt ist, schreibt Anita ihr jeden Abend eine E-Mail. Sie erzählt von ihrem erfüllenden Job, ihrer geplanten Hochzeit und den Kindern, die sie bald haben wird.
Nichts davon ist wahr. Im Job wird Anita ausgenutzt, in ihrer Beziehung ist sie unglücklich. Aber sie will ihre todkranke Mutter nicht belasten. Alles ändert sich, als Anita einem geheimnisvollen Mann begegnet. Er macht ihr Mut, sich endlich mit Haut und Haaren auf das Leben einzulassen. Doch welches Geheimnis umgibt diesen Fremden? Und wird es Anita gelingen, das Leben zu führen, das ihre Mutter sich immer für sie gewünscht hat? 

Rezension: 

Anita ist Anfang 30 und lebt zusammen mit einer Bekannten in einer WG in Turin. Ihren Lebensgefährten Tancredi, mit dem sie seit einigen Jahren zusammen ist, der Gedanke einer Hochzeit aber doch nie weiter verfolgt wird, sieht sie selten. Für ihn scheint sein Beruf höhere Priorität zu haben als seine Beziehung zu Anita. 
Anita selbst ist unglücklich bei ihrer Arbeit in einer Literaturagentur. Viel lieber würde sie neue Autoren entdecken und ihnen zu einem literarischen Durchbruch verhelfen. 

Ihre Mutter, zu der sie ein ganz inniges Verhältnis hat, ist an einem Gehirntumor erkrankt, der Körper voller Metastasen und ohne Chance auf Heilung. 
Anita gibt die Hoffnung dennoch nicht auf, kann ihre Mutter nicht loslassen und schreibt ihr jeden Abend eine betont fröhliche E-Mail, in der sie von ihrem Tag berichtet: ihrem aufregenden Job und der bevorstehenden Hochzeit mit Tancredi, sogar Enkel stellt sie ihrer Mutter in Aussicht. Sie möchte  ihrer Mutter einerseits glaubhaft machen, dass sie glücklich ist, andererseits möchte Anita ihr neue Perspektiven aufzeigen, sie motivieren, neuen Lebensmut zu schöpfen. 

Bei einer der Zugfahrten zu ihrer Mutter lernt Anita den Kinderbuchautor Arun kennen, dem sie sich bald näher fühlt als ihrem langjährigen Freund Tancredi. 

"Das Glück der fast perfekten Tage" ist ein schmales Büchlein, das wie das Cover liebevoll gestaltet ist, aber eben auch nur eine reduzierte Handlung darbietet. Viel wesentlicher als die Geschichte ist die schöne, bildhafte Sprache, weshalb der Roman zurecht als poetisch bzw. märchenhaft beschrieben wird. 
Mir war der Roman - auch bedingt durch die Kürze - nicht tiefgehend genug. Anita, die sich mehr selbst bedauert, als sie mir der Erkrankung ihrer Mutter realistisch auseinanderzusetzen und ihr über beschönigende E-Mails hinaus keine Stütze ist, blieb mir lange zu passiv. Sie hat einen Freund, mit dem sie nur aus Gewohnheit zusammen ist, sich mit ihm nach all den Jahren nicht einmal eine Wohnung teilt und einen Job, der sie nicht erfüllt und sie gerade einmal die Miete ihres WG-Zimmers bezahlen lässt. Erst die Begegnung mit Arun und die daran anschließenden Treffen führten zu einem Umdenken und Anita begann, ihr Leben selbst in de Hand zu nehmen. Aber auch hier blieb mir der Auslöser für ihre Verhaltensänderung zu wage und letztlich nicht schlüssig nachvollziehbar. 

Vielleicht gehört "Das Glück der fast perfekten Tage" zu den Büchern, die man unbedingt ein zweites Mal lesen sollte, um nicht nur alle sprachlichen Feinheiten zu erfassen, sondern auch die Beweggründe der Protagonisten zu begreifen. 

Freitag, 19. Mai 2017

Buchrezension: Jack Ketchum - SCAR

Jack Ketchum

SCAR


Inhalt:

Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichtezumachen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren.

Rezension: 

Die elfjährige Delia Cross ist ein Fernsehstar und wird von den Eltern gewinnbringend vermarktet. Sie stellt die einzige Einnahmequelle der Familie dar und nur ihr Zwillingsbruder merkt dies kritisch an. Die Eltern sind beide dem Alkohol nicht abgeneigt, Vater Bart hat völlig den Überblick über die Finanzen verloren, erfreut sich an den neuesten Flachbildfernsehern und neuen Autos, während Mutter Pat eine Affäre mit dem Manager ihrer Tochter hat. 

Delia würde gerne "normal" aufwachsen und zur Schule gehen, stattdessen ist sie den ganzen Tag unter Erwachsenen und ihre einzige Gefährtin ist die hochintelligente Australian Cattle Hündin Caity, die ihr treu zur Seite steht. Ohne zu Nörgeln fügt sich Delia vor allem ihrer Mutter zuliebe in ihr Schicksal, tritt in TV-Shows und Werbespots auf, bis es zu einem folgenschweren Unfall kommt und die gezeichnete Delia das Spiel nicht mehr mitspielt...

Von "SCAR" hatte ich mir aufgrund des gruseligen Covers und als Buch, das im Verlag "Heyne Hardcore" erscheint, einen Schocker versprochen. Aber auch wenn ich mir von der Handlung mehr Horror erwartet hatte, handelt es sich dennoch um einen sehr lesenswerte Familientragödie, die die menschlichen Abgründe aufzeigt. 

Fasziniert war ich vor allem von der innigen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Wie sich Caity schützend um Delia kümmert, fast schon menschliche Züge hat und furchtlos ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um ihre Freundin zu retten, ist wirklich sehr berührend zu lesen. 

Zudem setzte sich das Buch kritisch mit der Medienwelt auseinander, in der Kinderstars durch falschen Ehrgeiz und aufgrund von Gewinnmaximierung in Szene gesetzt und hilflos ausgenutzt werden. Dies rächt sich am Ende des Buches, in dem vor allem Mutter Pat  - einem Thriller gerecht - brutal ihr Fett wegkriegt. 

Offen sein sollte man für Mystery-Elemente, die vor allem in der Charakterrolle der Hündin zum Tragen kommen und sich bis zum Ende der Geschichte durchziehen. 

Mittwoch, 17. Mai 2017

Produkttest: L'Oréal Paris Skin Expert Hydra Genius Aloe Water Liquid Care

L'Oréal Paris Skin Expert 

Hydra Genius Aloe Water Liquid Care

Von L'Oréal Paris habe ich die neue Hautpflege Hydra Genius Aloe Water, die unter dem Hashtag #drinkforyourskin beworben wird, zum Testen erhalten. Jeden Tag verliert die Haut 20 % ihres Feuchtigkeitsgehaltes und somit auch ihre Frische, Geschmeidigkeit und natürliche Schönheit. Dem soll die neue "Feuchtigkeitsinfusion" entgegenwirken. 
  

Produktbeschreibung: 

Inspiriert aus Asien ist die hochkonzentrierte Feuchtigkeitsformel der L'Oréal Paris Tagespflege Hydra Genius Fluid besonders hydratisierend.

Hydra Genius Aloe Water lädt den Feuchtigkeitsspeicher der Haut wieder auf. Dank natürlichen Inhaltsstoffen durchdringt die Feuchtigkeit tiefenwirksam die Haut und sorgt für ein frisches, strahlendes Hautbild. 

Die revolutionäre Formel von Hydra Genius besteht aus den natürlichen Wirkstoffen Hyluronsäure und Aloe Wasser. Dank der besonderen Zusammensetzung von Wasser und hydratisierenden Ölen lässt sich die Textur optimal verteilen und verschmilzt mit der Haut. Das Fluid zieht sofort ein und durchdringt die Haut tiefenwirksam von Innen heraus mit Feuchtigkeit. Hyaluronsäure bindet das Wasser um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut aufrechtzuerhalten, Aloe Wasser ist reich an hydratisierenden Mineralien. 

Die erste Liquid Care von L'Oréal Paris ist ein Erlebnis für die Sinne: 

  • Die Haut absorbiert die leichte Textur sofort und der Feuchtigkeitsspeicher der Haut wird aufgeladen.
  • Die Feuchtigkeit durchdringt tiefenwirksam die Haut.
  • Die Feuchtigkeit wird langanhaltend von der Haut gespeichert.
  • Sofort: Die Haut ist spürbar frischer, weicher und geschmeidiger.
  • Jeden Tag: Die Haut wird intensiv mit Feuchtigkeit versorgt. Für strahlend schöne und sichtbar frische Haut.
Produkttest: 

Die Feuchtigkeitspflege befindet sich in einem hochwertigen Pumpspender, aus dem sich die gelartige Creme hygienisch und gut dosiert entnehmen lässt. Sie duftet kaum wahrnehmbar eher neutral. 




Die Creme ist leicht kühlend, weshalb die Pflege besonders für die nun kommenden wärmeren Temperaturen geeignet ist, um die Haut zu erfrischen. Die Creme enthält mehr Wasser als Öl und zieht deshalb wie vom Hersteller versprochen direkt in die Haut ein und hinterlässt keinen unangenehmen Fettfilm. Die Textur ist sehr leicht, weshalb sich die Creme wirklich gut mit Make-up verträgt, das sich unmittelbar danach problemlos auftragen lässt. 

Als leichte Tagespflege im Sommer stelle ich mir Hydra Genius als sehr angenehm vor, da sie auf der Haut sehr erfrischend wirkt. Mir persönlich ist sie aber als Feuchtigkeitspflege zu flüssig, weshalb ich im Alltag doch lieber auf eine etwas reichhaltigere Tagescreme zurückgreife. 

Die neue Feuchtigkeitspflege Hydra Genius Aloe Water ist für die drei unterschiedlichen Hauttypen "normale bis trockene Haut", "normale bis Mischhaut" sowie "sensible Haut" für 9,95 € im Handel erhältlich. 

Montag, 15. Mai 2017

Buchrezension: José A. Pérez Ledo - Dies ist keine Liebesgeschichte

José A. Pérez Ledo
Dies ist keine Liebesgeschichte 


Inhalt: 

Daniel Durán glaubt nicht an die Liebe. Der Mittdreißiger ist überzeugt, dass die großen Gefühle nichts weiter sind als ein gefaktes Produkt aus der Traummaschinerie Hollywood. Deshalb fällt er aus allen Wolken, als seine beste Freundin Sara ihn bittet, ihr Trauzeuge zu werden. Doch während der Hochzeitsvorbereitungen lernt der neurotische Daniel die quirlige, verrückte und ziemlich hübsche Kindergärtnerin Eva kennen und mit einem Mal ist er sich seiner Überzeugungen gar nicht mehr so sicher. Hollywood hin oder her – Eva will erobert werden. Und plötzlich erlebt Daniel seine ganz persönliche Liebesgeschichte...

Rezension:

Daniél Durán ist 35 Jahre alt und studierter Journalist. Er träumt davon, einen Roman zu schreiben, aber stattdessen verdient er seinen Lebensunterhalt im Auftrag von Unternehmen mit dem Verfassen von Biographien über scheidende Manager oder Firmeninhaber. Auch wenn ihn die Leben der zu porträtierenden Persönlichkeiten nicht interessieren, ist es für Daniél leicht verdientes Geld, da er eine Bearbeitungszeit von sechs Monaten veranschlagt, tatsächlich aber nur wenige Wochen beschäftigt ist. 

Sein aktueller Auftrag ist etwas kniffliger, da ihm sein Auftraggeber nur wenige Interviewpartner, von denen er etwas über den Inhaber der Firma erfahren könnte, benennt. Da es sich bei dem Immobilienunternehmer Monteis um keinen beliebten Arbeitgeber zu handeln scheint, ist es für Daniél umso wichtiger, auch mit Familienangehörigen zu sprechen. Die einzige in Frage kommende Interviewpartnerin ist seine Tochter Eva, die den Kontakt zu ihrem Vater vor Jahren abgebrochen hat und sich weigert, an der Biographie mitzuwirken. 

Daniél, der nach der Trennung von seiner einzigen Liebe Sara, bei der es sich heute um seine beste Freundin handelt, Liebe und Gefühlen abgeschworen hat, ist fasziniert von der resoluten jungen Frau, die wieder Leben in sein monotones Dasein bringt. 

Daniél hat allerdings nicht nur Probleme, Gefühle zuzulassen, er ist auch gegenüber seinen Mitmenschen wenig empathisch. Unweigerlich verletzt er Eva durch seine direkte und sozial inkompetente Art. 
Mit seinen unbeholfenen Entschuldigungen kann er Eva auch nicht wieder zurückgewinnen, weshalb er zunächst in ein tiefes Loch fällt und sich noch mehr zurückzieht. Sara schafft es, ihn wieder aufzuraffen und er stürzt sich sodann in die Arbeit. Bei den Recherchen zu Monteis wird er auf dessen skrupellose Machenschaften aus der Vergangenheit aufmerksam, die Daniél wieder Eva näher bringen...

"Dies ist keine Liebesgeschichte" ist selbstverständlich nur ironisch gemeint, denn jede Geschichte ist eine Liebesgeschichte - "selbst eine Rachegeschichten denn man rächt sich nur aus Liebe". So wird man in den Roman eingeführt und es sind lauter intelligente Sätze und Bonmots dieser Art, die für sehr vergnügliche Lesestunden sorgen. 

Der Roman um den sympathischen Einsiedler Daniél ist ironisch-witzig geschrieben und bietet bis zum Schluss aufgrund der lebendigen Dialoge und der skurrilen Eigenarten von Daniél eine sehr gute Unterhaltung. Es ist keine reine Liebeskomödie, sondern auch eine Geschichte um einen jungen Mann, den man zunächst als etwas verschrobenen und pessimistischen Charakter kennenlernt, der sich aber im Verlauf der Geschichte persönlich weiterentwickelt, Interesse für seine Mitmenschen aufbringt und endlich aus der Monotonie des Alltags ausbricht. 

Voller Situationskomik ist der Debütroman von José A. Pérez Ledo eine intelligent geschriebene (Liebes-)geschichte, die all den Lesern gefallen wird, die "Das Rosie-Projekt" von Graeme Simsion mochten.

Samstag, 13. Mai 2017

Buchrezension: Jasmine Warga - Mein Herz und andere schwarze Löcher

Jasmine Warga
Mein Herz und andere schwarze Löcher



Inhalt:

Eine Geschichte über zwei, die den Tod suchen – und die Liebe ihres Lebens finden

Wenn dein Herz sich anfühlt wie ein gähnendes schwarzes Loch, das alles verschlingt, welchen Sinn macht es dann noch, jeden Morgen aufzustehen? Aysel will nicht mehr leben – sie wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, sich für immer zu verabschieden. Als sie im Internet Roman kennenlernt, scheint er der perfekte Komplize für ihr Vorhaben zu sein. Und während die beiden ihren gemeinsamen Tod planen, spürt Aysel, wie sehr sich auf die Treffen mit Roman freut, wie hell und leicht ihr Herz sein kann. Und plötzlich ist der Gedanke, das alles könnte ein Ende haben, vollkommen unerträglich ... Aysel beginnt zu kämpfen. Um ihr Leben. Um sein Leben. Und um ihre gemeinsame Liebe.


Rezension:

Aysel ist 16 Jahre alt und die Tochter eines verurteilten Straftäters. Seit seiner Inhaftierung lebt sie bei ihrer Mutter und quält sich mit schwerwiegenden Schuldgefühlen. Zudem hat sie Angst, dass das Böse in ihr schlummert und irgendwann ausbrechen wird. Aysel hat den Eindruck, aufgrund der Tat ihres Vaters von Mitschülern, Nachbarn und Bekannten gemieden zu werden. Sie kapselt sich ab und registriert sich bei einer Internetseite, um einen Selbstmordpartner zu finden, da sich sich einen Suizid alleine nicht zutraut. Mit "FrozenRobot" findet sie einen Jugendlichen, der sich die Schuld am Tod seiner Schwester gibt und mit dieser nicht weiterleben kann. Er möchte am Todestag seiner Schwester, dem 7. April, sterben. Bis dahin sind es noch 24 Tage, die Aysel und Roman gemeinsam verbringen, um ihren Tod zu planen. Während der Treffen spürt Aysel, dass doch nicht nur negative Gefühle in ihr sind und dass sie vor allem nicht möchte, dass Roman stirbt. Sie bricht ihr Versprechen und beginnt um ihr beider Leben zu kämpfen. 

"Mein Herz und andere schwarze Löcher" ist ein Jugendbuch, das ein sehr trauriges Thema behandelt: eine tiefe Verzweiflung und eine daraus resultierende Ausweglosigkeit mit dem Wunsch, sich das eigene Leben zu nehmen. 
Beide Protagonisten haben Schreckliches erlebt und waren, obwohl sie von ihren Familien jeweils aufgefangen worden sind, nicht in der Lage, ihr Trauma zu verarbeiten. Während die Schuldgefühle von Roman nachvollziehbar sind, sind Aysels Ängste eher ihrer enormen Sensibilität geschuldet. 

Da der Roman aus Sicht von Aysel geschrieben ist, taucht man als Leser in ihre Gefühlswelt ein und erfährt von der "schwarzen Qualle" in ihr, die alle positiven Empfindungen absorbiert und Aysel innerlich auffrisst. 
Erschreckend ist zu lesen, dass es eine Internetseite gibt, auf der sich Menschen gezielt registrieren, um einen Partner zu finden, um dem Leben gemeinsam ein Ende zu setzen. 

Durch die Annäherung zu Roman, der sie versteht und ähnliche Gefühle hat wie sie, merkt Aysel, dass in ihr doch noch mehr steckt als ein durch die "schwarze Qualle" verursachtes schwarzes Loch, dass es Empfindungen und Erlebnisse gibt, die das Leben lebenswert machen. 

Als Jugendbuch ist der Roman einfach und schnell zu lesen, aber dennoch so berührend und eingängig geschrieben, dass er mir bis zum Umdenken von Aysel außerordentlich gut gefallen hat. Das Ende, das wenig überraschend positiv ist, kommt mir dann aber zu abrupt - dabei hätte die Geschichte noch Potenzial gehabt. Ich empfand das Ende nicht als Abschluss, sondern als Abbruch, so dass ich mir sogar eine Fortsetzung des Romans vorstellen könnte. 
Insbesondere warum es nicht mehr zu einer Begegnung zwischen Aysel und ihrem Vater kam, kann ich nicht nachvollziehen und fand ich ausgesprochen schade. Auch blieb Romans (geänderte?) Einstellung vage und lässt Spielraum für Interpretationen. 

Freitag, 12. Mai 2017

Buchrezension: Darcey Bell - Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor

Darcey Bell
Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor


Inhalt:

Stephanie, fürsorgliche Mutter, viel gelesene Mom-Bloggerin und jung verwitwet, hilft gerne aus; erst recht, wenn ihre glamouröse Freundin Emily, PR-Chefin eines New Yorker Modedesigners, sie darum bittet. Doch als sie an diesem Tag Emilys fünfjährigen Sohn Nicky nach der Vorschule mit zu sich nach Hause nimmt, ahnt sie nicht, dass dies das Ende ihrer brüchigen Vorstadtidylle bedeuten wird. Denn Emily holt ihren Sohn am Abend nicht ab. Und auch an den folgenden Tagen und Wochen taucht sie nicht auf. Stephanie kümmert sich um Nicky, zusammen mit Emilys Mann Sean. In ihm erkennt sie die unverhoffte Chance, noch einmal ein ganz anderes Leben zu führen. Und sie fasst einen folgenschweren Entschluss. Doch dann kommt der Anruf, vor dem sie sich die ganze Zeit gefürchtet hat. 

Rezension:

Stephanie wird von ihrer besten Freundin Emily, einer Karrierefrau aber dennoch fürsorglichen Mutter gebeten, ihren Sohn von der Schule abzuholen. Den kleinen Gefallen erledigt Stephanie, die sich nach dem Tod ihres Ehemanns ausschließlich um ihren Sohn Miles und ihren "Mama-Blog" kümmert gern. Emily holt ihren Sohn Nicky jedoch nicht wie gedacht noch am selben Abend ab und meldet sich auch nicht bei Stephanie. Die Polizei reagiert nur sehr zögerlich, in der Annahme, dass sich die gestresste junge Frau nur eine Auszeit von Ehe, Familie und Job nehmen möchte. Erst als ihr Ehemann Sean von einer Geschäftsreise zurückkehrt, kommen die Ermittlungen ins Rollen und eine Frauenleiche wird gefunden. 

Stephanie kann  nicht glauben, dass sich ihre selbstbewusste Freundin und liebende Mutter das Leben genommen hat, wie es die Polizei interpretiert. Im Andenken an ihre beste Freundin fühlt sie sich verpflichtet, sich um Nicky und Sean zu kümmern. Einerseits vertraut sie Sean nicht, ist misstrauisch, ob er aufgrund der Lebensversicherung von Emily eine Schuld an ihrem Tod haben könnte, fühlt sich aber sexuell so sehr von ihm angezogen, dass sie sich auf eine Affäre mit dem Ehemann ihrer verstorbenen Freundin einlässt. 

Da erzählt ihr Nicky eines Abends, dass er seine Mutter gesehen habe und Stephanie erhält einen irritierenden Anruf...

"Nur ein kleiner Gefallen" ist durch den außergewöhnlichen Aufbau des Romans durch zahlreiche Blogeinträge sehr modern und am Puls der Zeit und durch die wechselnden Perspektiven der Protagonisten noch zusätzlich abwechslungsreich geschrieben. Als Leser erhält man Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Frauen, in denen isch Abgründe auftun. In amerikanischer Manier wird der schöne Schein nach Außen gewahrt, während die Realität ganz anders aussieht. 

Die Charaktere sind grundsätzlich böse, so dass man für keinen Sympathien entwickelt, was bei einem Thriller auch nicht unbedingt erforderlich ist. Die Protagonisten sind allerdings auch so eindimensional und stereotyp dargestellt, dass die Handlung früh vorhersehbar war. Spannung kam deshalb kaum auf und der für einen Thriller erforderliche Nervenkitzel blieb völlig aus. 

Während ich den Einstieg des Romans  mit den Blogeinträgen wirklich gelungen fand und das Verschwinden von Emily so viele Fragen aufgeworfen hat, die Stephanie öffentlich zur Diskussion gestellt hat, flachte der Roman im weiteren Verlauf ab. Die Akteure machten einen zunehmend psychisch gestörten Eindruck und so bewegten sich auch ihre Handlungen ins Abstruse. 

"Nur ein kleiner Gefallen" hatte vom Grundgedanken viel Potenzial, das allerdings nur unzureichend ausgeschöpft wurde. Die amerikanische Vorstadtidylle, in der nichts so ist, wie es scheint, und die übertriebenen Reaktionen der Protagonisten ließen eine ausgeklügelte, spannungsgeladene Handlung mit nervenaufreibenden Überraschungsmomenten vermissen.